Bin ich ein Young Carer?

Pflegende Kinder und Jugendliche helfen regelmäßig und häufiger im Familienumfeld als ihre Altersgenossen ohne Pflegeverantwortung. Sie unterstützen im Haushalt, kümmern sich um jüngere Geschwister, übernehmen Pflegetätigkeiten und tragen Verantwortung. 23 Prozent der Kinder helfen in allen drei Bereichen überdurchschnittlich viel.

Young Carers verstehen sich selbst nicht als Pflegende und sprechen selten über ihre familiäre Situation. Daher werden sie auch in ihrem sozialen Umfeld und in der Öffentlichkeit kaum als pflegende Kinder wahrgenommen und sind oft mit ihren Sorgen und Ängsten allein.

Was macht ein Young Carer?

Young Carers sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die für Familienangehörige – ein Elternteil, Geschwister, Großeltern oder andere kranke Familienmitglieder – immer wieder regelmäßig Pflege oder Betreuung übernehmen.

Wieviele Young Carer gibt es?

Auf Basis einer Studie des BMSGPK zum Thema pflegende Kinder und Jugendliche in Österreich wurde der Anteil von 3,5 Prozent pflegender Kindern und Jugendlichen hochgerechnet. So wurde eine Zahl von 42.700 pflegende Kindern und Jugendliche ermittelt.

Der:die typische Young Carer

Aus einer Studie des BMSGPK zum Thema pflegende Kinder und Jugendliche in Österreich ergibt sich folgendes Bild:

  • Der Anteil pflegender Kinder in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen bzw. er fünften bis achten Schulstufen beträgt 4,5 %.
  • Pflegende Kinder sind im Durchschnitt 12,5 Jahre alt. 70 % der pflegenden Kinder sind weiblich.

Wen betreuen Young Carers?

  • 37 % ein Elternteil
  • 33 % ein Großelternteil
  • 12 % Geschwister
  • 18 % andere Familienmitglieder bzw. Verwandte

Wie wirkt sich die Übernahme der Betreuung auf pflegende Kinder, also Young Carers, aus?

Young Carer zu sein hat Auswirkungen in vielen Bereichen. Pflegende Kinder geben deutlich öfter an, unter Müdigkeit, Schlafproblemen sowie Rücken- und Kopfschmerzen zu leiden.

Große Unterschiede zeigen sich auch in Bezug auf die psychische Verfassung der Kinder. Den Aussagen „Ich mache mir oft Sorgen“ und „Ich bin oft traurig“ stimmen pflegende Kinder deutlich öfter zu als nicht pflegende Kinder.

Allerdings fühlen sich pflegende Kinder gegenüber nicht pflegenden Kindern erwachsener und wissen auch, dass sie wertvolle Unterstützung leisten. Das macht deutlich, dass die Erfahrungen nicht ausschließlich negativ bewertet werden können.

Warum sind Young Carers schwer zu erreichen?

Viele Familien sind der Meinung, dass man zusammenhalten und die Krankheit und damit einhergehende Herausforderungen und Krisen selbst lösen muss. Das Helfen innerhalb der Familien wird – auch von den pflegenden Kindern – als selbstverständlich betrachtet. Young Carers nehmen sich selbst daher oft nicht als pflegende Kinder wahr.

Wohin können sich Young Carers wenden um Hilfe zu erhalten?

Betroffene Kinder und Jugendliche können sich u.a. an folgende Stellen wenden:

Warum ist es wichtig sich als Young Carer Hilfe zu holen?

Typischerweise kümmern sich Young Carers über einen längeren Zeitraum regelmäßig um ein erkranktes oder hilfebedürftiges Familienmitglied. Das ist eine große Herausforderung, der sich die meisten Kinder und Jugendlichen nicht stellen müssen. Es ist keine Schande nicht alles alleine zu schaffen! Achtet darauf und holt euch rechtzeitig Informationen und Unterstützung.

Was können Erwachsene (Eltern, Pädagoginnen/Pädagogen, sowie zum Thema Interessierte) bei der Begegnung/im Umgang mit Young Carers tun?

  • Begegnung auf Augenhöhe und mit Wertschätzung – besonders wegen der Pflegetätigkeit
  • Gespräch suchen, Vertrauen aufbauen, auf Hilfsangebote aufmerksam machen
  • Regelmäßige Nachfrage wie es dem betroffenen Young Carer geht
  • Austausch mit Expert:innen, z.B. superhands, IG Pflegende Angehörige, 147 Rat auf Draht, u.a.m

Welche unterstützenden Maßnahmen für Young Carers sind in Umsetzung?

Im aktuellen Regierungsprogramm wird ein besonderer Fokus auf die bestmögliche Unterstützung von betreuungs- und pflegebedürftigen Menschen sowie ihrer An- und Zugehörigen gelegt. Persönliche, gesundheitliche und finanzielle Auswirkungen für pflegende Kinder und Jugendliche sollen durch präventive Maßnahmen und maßgeschneiderte Unterstützungsangebote abgefedert werden.

Die „Young Carers Austria“ App des Sozialministeriums gibt individuelle Hilfestellung für pflegende Kinder, Jugendliche und deren Familien bzw. Interessierte. Geboten werden praktische Links und Kontakte, Informationsmaterialien, Anleitungen zur Pflege, ein ABC für Young Carers und vieles mehr.